Wie man den perfekten ersten Satz findet

Ich bin mir sicher, ihr kennt das auch: Ihr habt eine richtig gute Idee – eigentlich die Beste, die ihr je hattet. Die Einfälle, die euch im Kopf herumschwirrten, habt ihr längst notiert. Die Figuren wurden von euch schon in Gedanken zum Leben erweckt und vor euch steht jetzt der Laptop oder Computer mit einem leeren Word-Dokument.
Ihr müsstet jetzt eigentlich nur noch losschreiben, dann wäre der Bestseller der Zukunft bald am Start.
Doch dann: Panik! Wie zum Teufel fange ich an? Welcher Satz ist der perfekte, um meine Geschichte einzuleiten? Der Satz soll schließlich den Leser überzeugen. Ihn dazu verleiten, weiter zu lesen. Spannung wecken – und natürlich soll er gleich das ganze schriftstellerische Können repräsentieren. Doch wie findet man diesen perfekten Satz?

Bei mir dauert es meistens lange, bis ich mit meinem ersten Satz zufrieden bin. Eine halbe Ewigkeit schreibe ich an ihm herum, tausche hier und da ein Wort aus, lösche ihn wieder und hole ihn dann letztendlich mit der Rückgängig-Funktion zurück, weil er doch nicht so übel war :D
Dabei kann der arme erste Satz ja gar nichts dafür, dass er nicht der zweite oder der zehnte ist. Er hat leider das Pech, dass er eine große Aufgabe hat: Er muss nicht nur den Leser überzeugen – was ja noch zu schaffen wäre – sondern leider Gottes auch mich, die Autorin selbst.

Wenn ich meinen ersten Satz suche, dann überlege ich, was mein Satz vorrangig tun soll.

1) Spannung wecken?
Dann passt eher die Action-Variation, bei der man augenblicklich im Geschehen drin ist. Sowas wie „Lara schrie auf und warf sich zur Seite.“

2) Oder lieber den Leser sanft in die Geschichte einladen?
Dann wäre es klüger, einen gemütlicheren Einstieg zu wählen. Etwas wie „Die Sonne kletterte langsam den Horizont hinauf und tauchte die Stadt in ein morgendliches Licht“. Dabei kann sich der Leser langsam auf die Erzählung einlassen. Ich finde aber, dass diese Art von erstem Satz schnell langweilig klingen kann.

Oder man geht die Sache andersherum an und überlegt sich, zu welchem Genre die Geschichte gehört.

Dann konstruiert man sich dazu passend einen Anfang, um dem Leser schon im ersten Satz zu verraten, was ihn von der Thematik her erwarten wird (falls man das so will und nicht vor hat, den armen Leser komplett in die Irre zu führen^^).
Handelt es sich um eine märchenhafte Erzählung?
Dann finde ich „Es war einmal …“ ganz passend, weil der Leser dann sofort weiß, dass es sich bei dem vorliegenden Werk um eine Art von Märchen handeln muss.
Oder ist es mehr eine Abenteuergeschichte, die den Leser packen und fesseln soll?
Dann würde ich eher zu einem spannenderen Einstieg raten, bei dem sich der Leser sofort Fragen stellt.
Ein Beispiel dafür ist der Anfang von „Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter“ von Christopher Paolini, wo es heißt „Der Wind heulte durch die Nacht und trug einen Duft heran, der die Welt verändern sollte.“ Da frage ich mich, warum sich die Welt verändern wird und das Motiv der Nacht steht ja meistens für etwas Geheimnisvolles, also weiß ich, dass es sich nicht um einen reinen Liebesroman oder ähnliches handelt.

Es hilft auch, mal seinen Blick über seine Bücher im Regal schweifen zu lassen, auf gut Glück eines herauszuziehen und den ersten Satz anzuschauen.

Dann kann man sehen, in was für einem Stil er geschrieben ist und ob er genug Fragen aufwirft. Wenn der Satz einem zusagt und man sich sicher ist, dass er zu dem eigenen Werk auch passen würde, dann kann man seinen ersten Satz ja so ähnlich aufbauen. Aber nicht abschreiben :D
Es ist besser, wenn man seine eigenen grauen Zellen mal anstrengt und dem ersten Satz seine eigene persönliche Note verleiht.

Oder man ist nicht der Planer- und Überleger-Typ wie ich und schreibt den ersten Satz spontan, wie er ihm einfällt :) Kann ein genauso prima Satz werden wie durchs Planen.

Also, ich hoffe, jetzt steht eurem perfekten ersten Satz nichts mehr im Wege!

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11 Gedanken zu “Wie man den perfekten ersten Satz findet

    1. Da muss ich dich leider enttäuschen, Sabi :)
      Der Blogeintrag ist die Überarbeitung eines Artikels, den ich vor ein paar Jahren in der Lesedrehscheibe vom Papierfresserchens MTM Verlag veröffentlicht habe – und vor ein paar Tagen habe ich beschlossen, meine beiden Beiträge aus der LDS für meinem Blog zu bearbeiten^^
      Dass du auch über das Thema geschrieben hattest, war mir da grade nicht präsent :)

  1. Und wie ich das kenne! Ich habe meinen ersten Satz und das komplette erste Kapitel sicher 5 mal komplett neu geschrieben, bevor ich zufrienden war. Im Moment haperts wirklich an der Geschichtsentwicklung. Die Story steht, die Charaktere auch soweit… Nur das Schreiben will nicht so leicht von den Fingern, wie ich das gerne hätte.
    Aber ich werde mir definitiv mal deine ganzen Tipps durchlesen und den Blog speichern. Ich danke dir dafür <3

    Lg Anna
    http://www.the-anna-diaries.de

    1. Hey Anna,
      schön, dass du vorbeigeschaut hast :)
      Wow, fünf Mal neu, da hast du dir ja echt Arbeit gemacht :) Aber dafür ist der erste Satz jetzt bestimmt unschlagbar ;)
      Freut mich, dass du hier öfters mal mitlesen willst!! :)
      Liebe Grüße
      Caro

    2. Der erste Satz lautet nun: „Okay, I am done!“
      Und damit beschreibt er den ersten Tag im Buch, die Gefühle der Protagonistin und das erste Kapitel wirklich zu 100%.
      Achja: Ich schreibe auf Englisch :D

    3. Respekt, dass du auf Englisch schreibst, das trau ich mich nicht :)
      Und ich mag deinen ersten Satz, da habe ich gleich eine Menge Assoziationen, was er bedeuten könnte …

      Liebe Grüße
      Caro

    4. Danke dir :) Ich mag ihn auch. Besser als der Vorherige ist er alle Mal!
      Englisch joa ^^ Ich wähle den Weg ala Cornelia Funke um einen Verlag zu finden.
      Direkt nach Amerika oder UK. Ich kann so oder so besser mit Englisch. War zu lange in den USA, bin seit Jahren mit einem Ami zusammen. Ich red privat auch mehr Englisch als Deutsch. Warum dann also nicht gleich ganz groß hinaus zu den amerikanischen Verlagen? Wobei… Ich würd ja einen britischen bevorzugen ^^

    5. Ui, ein spannender Weg, gleich über die USA oder UK zu gehen … sind da die Chancen für Autoren aus Deutschland, die Englisch schreiben, gut?

      Liebe Grüße
      Caro

    6. Gute frage. Soviele versuchen es ja nicht auf dem weg. Ich denke, wenn die Story gut ist, hat jeder überall eine Chance. Zur Not übersetze ich alles und versuche es hier :) aber über den englischsprachigen Markt wäre es mir lieber :)

Ich freu mich über jeden Kommentar <3

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